Ich möchte meinen Sohn 13, über Drogen (legal / illegal) klären. Weiß aber nicht ganz wie. Es gibt pädagogische Arbeit in der Schule oder wo bekomme ich Rat?

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Find ich super, dass du so an das Thema heran gehst und nicht nur insgeheim hoffst, dass er nie mit sowas in Berührung kommen wird, und
zur Sicherheit alles totschweigst, oder sogar Schauermärchen erzählst,
wie es so viele unvernünftige Eltern tun.

Wichtig ist es auf
jeden Fall, nicht den Teufel an die Wand zu malen, sondern realistisch
zu bleiben. Auch wenn dein Kind mal mit Drogen in Kontakt kommen sollte,
ist es wichtig, dass du ihm auf Augenhöhe begegnest und keine unnötigen
Sanktionen verhängst. Es wäre schlimm, wenn er sich irgendwann
abkapselt und du den Überblick verlierst, was und wie oft er konsumiert.
Dazu fördert ein zu strenger Umgang, vor allem bei Cannabis, dass er
durch das Verheimlichen in paranoide Zustände gerät, die z.B.
Angststörungen fördern. Wenn er entspannt mit dir über das Thema reden
kann und keine Angst haben muss bekifft erwischt zu werden, ist die
Gefahr schon um einiges minimiert.

Du solltest allerdings schon
Regeln aufstellen. Die Schule muss regelmäßig besucht werden und darf
nicht darunter leiden. Auch falls er seine sozialen Kontakte nicht mehr
pflegen kann, solltest du eingreifen. Ansonsten lass ihn seine
Erfahrungen sammeln. Er wird das so oder so tun, es ist jedoch besser,
wenn er in dir eine Vertrauensperson sieht, mit der er über alles reden
kann.

Bei der Aufklärung würde ich auf die Gefahren in seinem
jungen Alter aufmerksam machen. Die äußern sich bei Alkohol darin, dass
man ihn dazu benutzt um seine Unsicherheit/Schüchternheit zu beseitigen
und das prägt sich ein Kind ein. Mit 13 ist man gerade dabei, sein
Selbstbewusstsein auf natürliche Art und Weise, durch Erfahrungen zu
stärken. Alkohol greift genau an dieser Stelle ein und behindert diese
Entwicklung. Das Kind weiß irgendwann, dass es in stressigen Situationen
nur einen Schluck Alkohol brauch um gefestigt zu wirken und da fängt
auch schon die Abhängigkeit an.

Zu Cannabis kann ich dir diese beiden Links ans Herz legen:

https://hanfverband.de/inhalte/hilfe-mein-kind-kifft-hinweise-fuer-eltern-und-angehoerige-von-jugendlichen-cannabiskonsumenten

https://hanfverband.de/inhalte/cannabis-wirkung-nebenwirkungen-und-risiken

Andere sehr populäre Drogen in der Jugendszene sind MDMA, LSD und neuerdings leider auch vermehrt Opioide und Benzodiazepine.

Von
MDMA, in so jungen Jahren, solltest du ihm strikt abraten. Diese Droge
greift so stark in das Gefühlsleben ein, dass ein 13 jähriger damit
nicht umgehen kann. Es wirkt neurotoxisch und kann/wird seine emotionale
Entwicklung erheblich stören. Auch das psychische Suchtpotential ist
bei einem Kind extrem hoch. Die Wirkung ist dermaßen positiv, dass man
schon einiges an Reife benötigt, um es nicht in zu kurzen Abständen
immer wieder zu konsumieren. Überdosen können schlimme Auswirkungen
haben, von langanhaltenden Depressionen bis hin zu Psychosen und
Angstzuständen. Ein gutes Einstiegsalter bei MDMA würde ich bei ca. 21
ansiedeln.

LSD wäre in diesem Alter auch das schlimmste was ihm
passieren kann. Es stellt sein komplettes Weltbild auf den Kopf und
verstreut seine junge Persönlichkeit förmlich in alle Winde. Sie ist ja
gerade erst dabei, sich richtig zu formen und nach einem starken
LSD-Trip, müsste er sozusagen nochmal von vorne anfangen. Dazu aber mit
zig Gedanken, die sich in alle Richtungen bewegen, ohne sich noch auf
eine gerade Linie im Leben richtig fokusieren zu können. LSD lässt einen
alles infrage stellen, die Umwelt, sich selbst, einfach alles. Für LSD
muss man schon sehr gefestigt sein um es verarbeiten zu können.
Einstiegsalter 25+.

Von Opioiden sollte er auch ganz klar die
Finger lassen. Gerade heutzutage wird von Jugendlichen gern "Purple
drank" bzw. "Lean" konsumiert. Der Hauptwirkstoff darin ist Codein, ein
Opiat. Opiate erzeugen eine schwere psychische und auch körperliche
Abhängigkeit. Codein ist sozusagen Heroin-light. Es wirkt auf die
gleichen Rezeptoren wie alle anderen Opiate, wie Opium, Morphin und eben
auch Heroin. Wenn man sein Suchtgedächtnis lange genug mit Opiaten
"gefüttert" hat, wird man die Gedanken daran nie mehr los. Hier ist die
gefahr einer schweren Opiatabhängigkeit das größte Problem. Absolut
nichts für Kinder.

Benzodiazepine, z.B. Diazepam(Valium),
Lorazepam(Tavor) oder Xanax(Alprazolam), beruhigen und wirken
Angstlösend. Der Suchtmechanismus funktioniert ungefähr so wie der des
Alkohols. Das Abhängigkeitspotential ist allerdings noch etwas höher.
Ein Benzoentzug ist der blanke Horror und kann sich über Monate
hinwegziehen und sogar tödlich enden. Dagegen ist ein Heroinentzug schon
fast ein Spaziergang. Wieder nichts für Kinder.

Ich bin leider
etwas kurz angebunden, sonst hätte ich noch etwas ausführlicher
geschrieben. Trotzdem hoffe ich, dass ich dir mit dem Text ein bisschen
weiterhelfen konnte.

Adressen zu Suchtberatern kann ich dir leider
nicht liefern. Ich bin auch nicht so der Fan davon, da sie, meiner
Erfahrung nach, oft auf strikte Abschreckung aus sind und eine objektive
Behandlung des Themas ablehnen.

Ich wünsche dir viel Erfolg! :)