Nun ehrlich: Warum bin ich als Mann so schnell angegriffen, wenn ich an der Gleichstellung der Geschlechter teilnehmen möchte?

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Seit ich sprechen kann, habe ich eine Frau/ ein Mädchen nie anders behandelt als Männer/Jungs. Natürlich wird man schneller mal nervös, wenn man zum Beispiel Gefühle für eine Frau empfindet - von da an verhält man sich anders. Und mir kommt es so vor, als ob manche Menschen auf gutem Weg dazu sind, sogar das veränderte Verhalten resultierend durch diese Nervosität, als frauendiskriminierend zu werten.

Zunächst: Ich bin Antisexist und sehe grossen Handlungsbedarf bei der geschlechtlichen Lohngleichheit. Menschen, die sagen "Hey Süsse, komm ma' rüber" sah ich mein Leben lang nicht als Sexisten, sondern zunächst mal nur als idiotische Machos. Seit sich in meinem Umfeld viele politisch für die Frauenrechte engagieren, nenne ich solche Menschen Sexisten. Stört mich nicht.

Solche Machos sind meiner Meinung nach allein wegen solchen Sätzen keine Sexisten. Sexismus besteht bei Diskriminierung eines Geschlecht . Die Machos sind aber dann doch eher zu allen Menschen, die denen nicht passen, herablassend.

Mich dünkt es aber, seit der Feminismus wieder "angesagt" ist, werden ganz viele Menschen zu "besseren Menschen", da sie für die Rechte der Frauen demonstrieren gehen, Sexisten den Mittelfinger zeigen etc. ¨Schade, das dieser Elan bei Themen wie Armut u.Co viel weniger zu Tage kommt. Ich bin neunzehn Jahre alt, und beziehe mich auf Menschen in meinem Alter.

Letztens fragte ich aus reinem Interesse, warum es eigentlich "Feminismus" und nicht "Bewegung für Gendergleichheit" oder so heisst. Statt mir eine sinnvolle Antwort zu geben, wurde ich relativ schnell runtergemacht. Okay, ich sehe ein, dass der Begriff an sich informieren muss, wie sehr die Frauen noch benachteiligt sind. Aber hätte eine Frau die selbe Frage gestellt, wäre sie bestimmt nicht runtergemacht worden. Also frage ich "Ist das aber nun nicht auch ein wenig sexistisch? Schliesslich kann ich nichts dafür, dass ich ein Mann bin, und bin überhaupt kein Sexist": Daraufhin folgten nur mehr Beleidigungen.

Das ist jetzt nur ein Beispiel eines Gespräches in meinem Umfeld. Aber auch in den Medien beobachte ich eine immer grösser werdende Spaltung: Die einen dementieren die Geschlechterungleichheit, die anderen stellen die Wichtigkeit des Feminismus auf ganz hoher Stelle. Letztere Seite fühlt sich relativ rasch angegriffen, und führt dann einen verbalen Gegenangriff aus, der meinen Beobachtungen nach dazu führt, dass manche beleidigt "die Seite wechseln" und von da an einen Fi** auf den Feminismus geben.

Das finde ich schade. SPIEGEL ONLINE hat vor kurzem ein Video geteilt, in welchem eine amerikanische Neurowissenschaftlerin sich lauthals über den Begriff "Mädchen" beklagt, wenn dieser an Frauen gerichtet gebraucht wird. ¨ Ja, es ist ein wichtiges Thema. Aber werden da nicht gesellschaftliche Ressourcen verschwendet? Gesellschaftliche Wendungen brauchen Zeit, und ich sehe die Lage aufgrund der penetranten Parolen immer wie verzerrter, so dass ich nicht mehr weiss was falsch und was richtig i

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Es gibt bei diesem Thema wie auch überall anders unterschiedliche Ansichten und vor allem unterschiedlich extreme Ausprägungen.

Viele Feministen sehen den Begriff eher gleichbedeutend mit Gendergleichheit.

Allerdings gibt es auch Menschen, welche den Begriff so auffassen, dass die Frauen bis heute unterdrückt werden (was ja auch stimmt), aber das zum Anlass nehmen um Rache zu rechtfertigen.

Ganz nach dem Motto die Frauen wurden die letzten tausend Jahre unterdrückt jetzt müssen die Männer unterdrückt werden. So eine extreme Ausprägung habe ich selbst schon erlebt wobei ich persönlich sagen muss, dass ich mehr normale Feministinen getroffen habe als andere.

Meine Persönliche Einstellung dazu ist, dass ich die Gendergleichheit anstrebe, ist egal ob es eine Frau oder ein Mann ist, wenn die Arbeit gleich gut ist, soll auch gleich viel gezahlt werden, ebenso bin ich für die Abschaffung der klassischen Rollenbilder weil diese eben nicht mehr zeitgemäß sind. Rache halte ich aber für eine Überreaktion zu welcher ich kein Verständnis zeigen kann, immerhin hat die Geschichte bereits öfters gezeigt, dass Rache immer nur zu einem Temporärfrieden geführt hat.