Wie war die Position eines Gesandten im 17./18. Jahrhundert? C.?

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Welchem Stand gehörte denn eigentlich ein "Gesandter" im 17./18.. Jahrhundert an? Um genau zu sein 1771.

Meines Wissens vermittelten Gesandte früher zwischen Fürsten und Adel oder so. Aber was sind sie? Bürger?

Zur Info: Um die Zeit gab es in Deutschland Fürsten, Adel, Bauern und das einfache Volk.

Danke! KathyieXD

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Gesandte gehörten nicht zu einem besonderen Stand der Gesandten neben den Ständen Klerus, Adel und Dritter Stand/Bürgertum.

Gesandte hatten einen besonderen Status (schon rein rechtlich, z. B. diplomatische Immunität, die damals allmählich zu einem festen rechtlichen Grundsatz wurde).

Die meisten Gesandten waren damals Adlige.

Bürgerliche Gesandte waren seltener.

Eine Entwicklung hin zu einer Professionalisierung und einem eigenen Berufsstand der Diplomaten war im 17./18. Jahrhundert noch nicht abgeschlossen.

Gewandte vermittelten zwischen Staaten bzw. Herrschern.

Sie überbrachten Mitteilungen und gaben und verhandelten vor allem.

Informationsbeschaffung war eine Aufgabe. Angesichts der häufigen Kriege war ein Verdacht auf Lügen und Spionage verbreitet.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verfestigten sich diplomatische Immunität und Exterritorialität von Gesandtschafts- oder Botschaftsgebäuden weitgehend.

Gesandte wurden als Staatsdiener verstanden, die ein Souverän einer auswärtigen Macht sendet, um seine Person zu repräsentieren, auf der Grundlage einer Vollmacht, eines Beglaubigungsschreibens oder einen ähnlichen Bevollmächtigung.

Der Titel eines Botschafters war bei Gesandten der höchste. Botschafter bildeten unter den Gesandten eine eigene, scharf abgegrenzte Gruppe. Sie hoben sich durch Rang und Protokoll deutlich ab. Dazu gehörte eine Titulierung als Exzellenz und ein Recht, bei Neuankunft von allen anderen Botschaftern die erste Visite zu erhalten. Botschafter waren in hohem Ausmaß am Hof tätig. Daher wurden Mitglieder des Adels bevorzugt zu Botschaftern ausgewählt, da sie die höfische Erziehung besaßen. König Ludwig (Louis) XIV. von Frankreich hat als Botschafter ausnahmslos Adlige eingesetzt, bürgerliche Gesandte kaum /so gut wie gar nicht vor.

Eine Ernennung von Frauen zu einer Botschafterin war in der Theorie nicht ausgeschlossen. Tatsächlich geschah dies auch einmal. Renée du Bec-Crespin, comtesse und maréchale de Guébriant, begleitete als Sonderbotschafterin/außerordentliche Botschafterin (ambassade extraordinaire) Ludwigs (Louis) XIV. von Frankreich 1645/1646 Luisa Maria Gonzaga nach Polen, wo diese Władysław IV. Wasa, König von Polen und Fürst von Litauen heiratete.

einige Informationen:

Anuschka Tischer, Botschafter. In: Enzyklopädie der Neuzeit: Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachwissenschaftlern herausgegeben von Friedrich Jaeger. Band 2: Beobachtung – Dürre. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2005, Spalte 367 - 370

Anuschka Tischer, Diplomatie. In: Enzyklopädie der Neuzeit: Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachwissenschaftlern herausgegeben von Friedrich Jaeger. Band 2: Beobachtung – Dürre. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2005, Spalte 1028 - 1040